Wasser schafft Leben
Im Hinduismus gilt das Wasser als Urquelle des Lebens, und das Wasser bringt die Seelen zum Ort des ewigen Lebens oder bis zu einer irdischen Wiedergeburt. Die Asche vieler verstorbener Hindus wird in den Ganges gestreut, diese letzte Reise soll zur Unsterblichkeit führen.
Der Islam ist in den Wüstenregionen Arabiens entstanden, wodurch Wasser auch hier eine besondere Bedeutung bekam. Allah schenkt den Menschen, allen anderen Lebewesen und den Pflanzen das Wasser, und besonders in den Paradiesvorstellungen nimmt das Wasser eine wichtige Rolle ein.
Wasser - ein biblisches Thema
Für Juden und für Christen ist Wasser ebenfalls von großer religiöser Bedeutung. Die Israeliten lebten in einer wasserarmen Region, und der Besitz von Quellen und Brunnen war überlebenswichtig. Schon die Schöpfungsgeschichten erzählen davon, wie dort Leben und ein Paradies entstehen, wo reichlich Wasser fließt. In der Bibel wird aber auch vom Kampf um das tägliche Wasser berichtet, ebenso von den Gefahren durch Überschwemmungen. Der Bericht von der großen Flut und dem Holzkasten des Noah ist eine Mahnung, sorgsam mit der Schöpfung umzugehen.
In der Bibel wird auch von Zeiten des Wassermangels erzählt. Israelitische Familien, die vor der Dürre und der Hungersnot in Kanaan geflohen waren, wurden vom Pharao aufgenommen und erhielten Land. Aber die Wasser-Flüchtlinge wurden bald zu Opfern von Ausbeutung und Versklavung. Deshalb, so wird im 7. Kapitel des 2. Mosebuches erzählt, half Gott den Israeliten, sich aus der Knechtschaft zu befreien. Die Flucht wurde dadurch möglich, so berichtet die Bibel, dass Mose seine Hand über das Meer reckte und das Wasser zurückwich durch einen starken Ostwind. Ein Psalmist hat den Wasser und Leben spendenden Gott so gepriesen: "Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser." (Psalm 23,2)
Im Neuen Testament wird die Bedeutung des Wassers beim Wirken Johannes des Täufers sichtbar, der auch Jesus im Jordan getauft hat. Für den Wanderprediger Jesus, der durch ein heißes Land zog, war Wasser keine Selbstverständlichkeit. Zur Aufnahme seiner Jüngerinnen und Jünger durch die örtliche Bevölkerung äußerte er: "Und wer einem dieser Geringen auch nur einen Becher kalten Wassers zu trinken gibt, weil er ein Jünger ist, wirklich ich sage euch: es wird ihm nicht unbelohnt bleiben." (Matthäus 10,42)
Wasser ist keine Ware
In früheren Zeiten war es unbestritten, dass die Menschen ein Recht auf Wasser hatten. Wasser zu reichen war ein Zeichen von Gastfreundschaft, Wasser zu verweigern die Ursache von Konflikten und gewaltsamen Auseinandersetzungen. Dass das Recht auf Wasser so oft beachtet wurde, hängt auch mit den religiösen Überzeugungen der Menschen zusammen. Die in Jahrtausenden gewonnene Einsicht und Glaubensüberzeugung, dass Wasser ein Mittel zum Leben ist, das niemandem vorenthalten werden darf, auch dem nicht, der es nicht bezahlen kann, gewinnt heute neue Aktualität, in der Wasser "vermarktet" werden soll.
So können Sie selbst aktiv werden!
Die "Brot für die Welt" - Kampagne "MenschenRechtWasser" möchte Diskussionen anregen und Menschen in Bewegung bringen - für das Menschenrecht auf Wasser.
Denn nicht nur im Süden, sondern auch in Europa werden in diesem und im nächsten Jahr die Weichen für die Zukunft der Wasserversorgung gestellt. Vieles steht auf dem Spiel. Damit ökologische Umsicht und Vorsorge einkehrt und der Zugang für alle Menschen zum Wasser gesichert wird, braucht es informierte und engagierte Einmischung von uns allen. Die Ziele sozialer Gerechtigkeit und ökologischen Schutzes sollen Vorrang vor privatwirtschaftlichen Gewinninteressen haben.
Dafür steht "Brot für die Welt" mit seinen Partnerorganisationen im Süden. Werden Sie gemeinsam mit uns aktiv. Setzen Sie sich dafür ein, dass alle Menschen einen Zugang zu ausreichendem und sauberem Trinkwasser erhalten!
